Bargeld ist ein Stück Freiheit

KONSTANZER ANZEIGER vom 24.02.2016

Die Fragen stellte Heidi Czada

 

Im Anzeiger-Gespräch: Werner Haun, Vorstand der Volksbank Konstanz

Ist Bargeld eigentlich noch nötig? Man kann heutzutage fast überall sicher bargeldlos bezahlen. Selbst das Spiel Monopoly wird in Kürze in einer bargeldlosen Version auf den Markt kommen. Beim Einkauf von Kleidung oder Lebensmitteln werden wenige mehr als 5.000 Euro dabei haben. Dennoch ist die Begeisterung für die Pläne der Bundesregierung gering, Barzahlungen, die über diesem Betrag liegen, zu verbieten. Wir fragten einen der beiden Vorstände der Volksbank Konstanz, Werner Haun, ob das Ende des Bargelds schon eingeläutet ist.

 

Was bedeuten die Pläne Ihrer Meinung für eine Region wie unsere direkt an der Schweizer Grenze?

Werner Haun: Grundsätzlich gilt, dass Bargeld (noch) das einzige gesetzliche Zahlungsmittel ist. Alle anderen Arten von Zahlungsverkehr ergänzen dieses Zahlungsmittel. Bundesweit liegt der Anteil der Bargeldzahlungen von Privatkunden nach Angaben der Deutschen Bundesbank bei über 50 Prozent. Der Anteil hier in der Grenzregion dürfte sogar noch höher liegen. Allerdings gibt es nur wenige Branchen, in denen die Summe von 5.000 Euro bei Bargeldzahlungen im Privatbereich überschritten wird. Auswirkungen könnte ich mir im Konsumgüterbereich und beim Auto- oder Bootskauf von Schweizern in Deutschland vorstellen. Ansonsten sehe ich bei dieser Summe für die Grenzregion kaum Auswirkungen.

 

Was bedeutet das für den Besitz von Bargeld?

Haun: Mit dieser Regelung nicht gemeint ist, wie viel Bargeld eine Person besitzen darf. Zu bedenken gilt es allerdings, dass einige unserer EU Nachbarn bereits Bargeldgrenzen eingeführt führen haben. Dies könnte dazu führen, dass Kriminelle für ihre Geldwäsche sich solche Länder aussuchen, welche Bargeld unbeschränkt zu lassen.

 

Stimmt es, dass das Schwinden von Bargeld die Einführung von Negativzinsen begünstigen würde?

Haun: Derzeit geben die meisten Banken den bereits durch die Europäische Zentralbank (EZB) eingeführten Negativzins von -0,30 Prozent nicht an Privatkunden weiter. Das heißt, dass die Banken die Einlagen, die sie von ihren Kunden bekommen, subventionieren. Für Banken ist es daher in der Regel ein Verlustgeschäft, Gelder hereinzunehmen und diese gar dem Kunden zu verzinsen.

 

Was würden Negativzinsen für Geschäftskunden bedeuten?

Haun: Natürlich hat die Zentralbank ein großes Interesse daran, dass die geldpolitischen Maßnahmen, wie der Negativzins für Einlagen, an die Bürger weiter gegeben wird, um das von den Bürgern gesparte Geld in den Konsum zu treiben. Damit soll der Konsum angekurbelt werden. Die Unternehmen ihrerseits würden dann aufgrund der Konsumnachfrage mehr investieren und Kredite aufnehmen. Das hätte zur Folge, dass mehr Arbeitsplätze geschaffen würden und die Einkommen der Arbeitnehmer steigen. Mit all diesen Maßnahmen würde das von der Zentralbank ausgegebene Inflationsziel von ca. 2 Prozent erreicht werden und die Zinsen würden wieder steigen. Mit der Einführung von Minuszinsen, wir d die eigene Währung geschwächt und damit der Export von Waren befördert, was auch die Konjunktur ankurbelt und Arbeitsplätze schafft. Da das aber weltweit Zentralbanken so tun, führt das zu einer Abwertungsspirale von Währungen, an deren Ende mit Verlaub niemand einen Vorteil haben wird.

 

Und welche Auswirkungen hat das auf die Privatkunden?

Haun: Für Privatkunden ist die derzeit größte Auswirkung, dass eine Altersvorsorge so gut wie keinen Zinseszins mehr abwirft und somit aktuell kein Zuwachs erzielt werden kann. Die sogenannten Rentenlücken werden damit größer. Auf der anderen Seite kann der Kauf von Eigenheimen derzeit sehr günstig finanziert werden, was ja auch eine Art der Altersvorsorge sein kann. Für Geschäftskunden sind Investitionen ebenfalls günstig zu finanzieren, allerdings fehlt die Nachfrage der Kunden, so dass die Unternehmen hier eher zurückhaltend sind. Damit gehen die Maßnahmen der EZB, wie der Ankauf von Staatsanleihen und negative Zinsen, ins Leere, da die erwünschte Kreditnachfrage ausbleibt.

 

Wäre das überhaupt rechtens?

Haun: Würde das Bargeld tatsächlich abgeschafft und durch so genanntes virtuelles Geld ersetzt werden, wäre es sicher ganz leicht seitens der Zentralbanken negative Zinsen oder staatlicherseits die Verfügung von Geld überhaupt, bis zum Verbraucher durchzusetzen. Das würde ich aufgrund der derzeitigen Rechtslage als nicht verfassungskonform erachten und hätte auch hier große Bedenken hinsichtlich anderer Rechtsverordnungen, wie bei den Grundrechten oder dem Datenschutz.

 

Es gibt Bankchefs, die behaupten, in zehn Jahren gebe es kein Bargeld mehr. Wie sehen Sie das?

Haun: Ich persönlich glaube, dass der Besitz von Bargeld ein Stück Freiheit ist, die es zu bewahren gilt. Dass man mit der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs Schwarzarbeit oder die Finanzierung von Terrorismus verhindern kann, ist eine Illusion. Die Kriminalität findet immer einen Ausweg. Denken Sie hier nur an die aktuellen Hackerangriffe. Mit diesen Begründungen halte ich Bargeldbegrenzungen oder gar die Abschaffung für Scheinlösungen.

 

Geht es auch um die Kosten, die mit Bargeld verbunden sind?

Haun: Bargeld verursacht im Wirtschaftskreislauf sicher mehr Kosten als elektronische Zahlungen. Allerdings wäre die reine Kostenbetrachtung zu einseitig. Hier geht es auch um Grundrechte und Selbstbestimmung. Ich kann mir eine Abschaffung von Bargeld in dem genannten Zeitraum nicht vorstellen. Verkennen darf man allerdings nicht, dass wir Bürger selbst die Reduzierung von Bargeld vorantreiben, in dem wir die Vorteile und Bequemlichkeit von digitalisierten Zahlungen zu schätzen wissen und diese rege nutzen. Und die heranwachsende Generation wird in einer immer weiter digitalisierten Welt groß. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass in Zukunft der Nutzen von Bargeld stetig weiter abnehmen wird.